Arm, aber sexy? Eher naiv und hässlich.

Auch wenn es sich um einen Entwurf handelt, so will die Rot-Rot-Grüne-Koalition in Berlin die Mieten in der Hauptstadt bei knapp acht Euro pro Quadratmeter (für Wohnungen, die vor 2013 fertiggestellt wurden) deckeln. Wow, das ist mal eine Kampfansage gegen die grassierende Wohnungsnot. Endlich gibt es sie wieder, die SED-Einheitsidee. Mit einem Unterschied. In der ehemaligen DDR gab es wenig vermögende Menschen. Wenn sich der Senat vom Marktprinzip verabschiedet und fortan alle Mieter nahezu dasselbe zahlen, freut sich der reiche Mieter.

Zahlt er zukünftig genauso wenig wie ein Hartz-IV. Kaum vorstellbar, dass er diese Wohnung freiwillig räumen wird. Geschweige denn, noch ein Eigenheim für sich baut. Billiger wird er nie wieder wohnen können. Dem Senat sei Dank.

Darüber hinaus freuen sich andere Bundesländer über neue Investoren. Diese werden schneller als der Berliner Senat dieses Vorhaben in trockene Tücher gießt, die Stadt fluchtartig verlassen. Für acht Euro pro Quadratmeter lässt sich angesichts der gestiegenen Baukosten, insbesondere durch Bauvorschriften und Energie-Einspargesetzen, kein Wohnraum schaffen. Das Kapital geht dorthin, wo Geld verdient wird. Damit scheidet Berlin aus. Zudem wird der Vermieter kaum noch sanieren oder modernisieren können, wenn die Miete bei acht Euro eingefroren wird. Somit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der komplette Wohnungsmarkt in dieser Stadt, die arm, aber sexy ist, zusammenbrechen wird. Dieses Vorhaben wird nur noch Verlierer produzieren.

Wobei die Deutschen ans Verlieren gewöhnt sind. Das ist gut so. Schließlich wird es noch viel schlimmer kommen. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) laufen 17 Prozent der Deutschen Gefahr, in die Armut abzugleiten. Vorbei die Zeiten, in denen Anstrengungen belohnt wurden und Erfolg nur eine Frage des Engagements ist.

Die Wohnungsnot wird noch viel mehr Menschen betreffen

Alle Berufsgruppen sind von dieser Entwicklung betroffen: Fachkräfte, Freiberufler, Akademiker, Beamte, etc. pp. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der BamS glaubt inzwischen jeder Fünfte, seinen Lebensstandard in den kommenden fünf Jahren nicht mehr halten zu können. In der Gruppe der Deutschen mit einem Einkommen von netto 2.000 bis 3.000 Euro sind es laut dieser Umfrage fast jeder Zweite. Bei den Selbstständigen ist mit 64 Prozent die Angst der klassischen Mittelschicht am größten.

Von der Politik ist hierzu bis heute nichts zu hören. Die beschäftigt sich mit der Idee neuer Steuern und Verboten. Mal sehen, wie lange sich die Bürger damit noch zufriedengeben. Angst ist ein ganz, ganz schlechter Begleiter und brandgefährlich. Die Politik hat jetzt noch die Möglichkeit, auf die sich abzeichnende Entwicklung zu reagieren. Doch hier ist wohl der Wunsch Vater meines Gedanken. Schließlich geht es in Berlin ja mehr darum, ob die Groko hält. Würde sie sich um die wirklichen Probleme dieses Landes kümmern, sie würden sehen, dass z. B. die Beschimpfungen der Wohnungskonzerne ernsthafte Folgen hat. So lag die Zahl der Baugenehmigungen im vermieterfeindlichen Berlin im zweiten Quartal 2019 um elf Prozent im Juni aber schon um 27 Prozent unter den jeweiligen Vorjahreswerten (Quelle: FocusMoney 36/2019). Mein Hinweis an die Berliner R2G: „Geister, die gerufen werden, wird man so schnell nicht mehr los“. Wer mit Enteignungen droht, der wird keinen Investor mehr finden. Somit alles selbstgewählte Leiden in Berlin. Man hätte es auch anders haben können. Doch dazu braucht es wohl einen gesunden Menschenverstand abseits aller Parteirhetorik und kruden Ideen.

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