Ihr Meisterstück (in Stein gehauen)

Mitarbeiterbindung

Mitarbeiter sind einzigartig. Sie sind einer der wichtigsten „Bausteine“ innerhalb der Erfolgskette eines Unternehmens. Doch Zeiten ändern sich. Zeiten ändern „dich“! Nicht zuletzt durch die Digitalisierung gibt es kaum noch so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist stets nur eine Frage der Zeit, bis ein Original von konkurrierenden Firmen kopiert wird und als „kompatible Version“ zu deutlich günstigeren Preisen auf den Markt gebracht wird.

Trotz dieser Entwicklung schaffen es die Marken unter den Anbietern, sich zu behaupten. Es ergeht ihnen dabei wie der Mona Lisa, die im Louvre hängt. Die von Leonardo da Vinci gezeichnete Frau wurde schon so oft kopiert, und doch stehen die Leute tagtäglich Schlange, um sich das Original anzuschauen.

Es fehlt an emotionaler Bindung

Diesen Zustand wünscht sich jedes Unternehmen. In einer Zeit, in der es von allem zu viel gibt und die Konsumenten die Qual der Wahl haben, stehen nur noch wenige in einer Schlange, um sich ein Produkt zu sichern. Die Ausnahme von der Regel bilden Unternehmen, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Die wissen, dass der Mitarbeiter in der Logistik mindestens genauso wichtig ist wie der Ingenieur in der Forschung und der Angestellte in der Fertigung. Unternehmen, die wissen, dass eine gute Buchhaltung denselben Stellenwert einnimmt wie die Vertriebsabteilung. Offensichtlich haben genau das die meisten Unternehmer noch nicht erkannt.

Die internationale Unternehmensberatung Gallup kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass deutsche Unternehmen 105 Milliarden Euro Umsatz im Jahr mehr machen könnten, gäbe es hier „gute“ Führungskräfte. Daran scheint es offensichtlich zu mangeln. 70 Prozent der Mitarbeiter in diesen Unternehmen sind nach Aussage der erwähnten Studie emotional gering gebunden. Sie machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Nur 15 Prozent der Beschäftigen sind mit Hand, Herz und Verstand bei der Sache.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HHWI) geht in seiner Einschätzung in Sachen Verluste sogar noch deutlich weiter. Die Rede ist hier von 364 Milliarden Euro, die allein den deutschen Unternehmen jährlich verloren gehen, weil Mitarbeiter am Arbeitsplatz unglücklich sind. 364.000 Millionen Euro gehen sprichwörtlich den Bach herunter, weil es die Firmen versäumen, ihre Mitarbeiter – ohne die kein Unternehmen auskommt – zu motivieren. Die Frage ist somit nicht, ob Mitarbeiter motiviert werden müssen, sondern wie lange es sich ein Unternehmer noch leisten kann, seine Mitarbeiter nicht zu motivieren!

Interessanterweise sind die erwähnten 70 Prozent alles andere als Arbeitsverweigerer. Ihre Arbeitseinstellung ist durchaus positiv. Auf die Frage der Studienautoren, ob sie auch dann weiterarbeiten würden, wenn sie nicht auf ein Gehalt für den Lebensunterhalt angewiesen wären, antworteten 77 Prozent der Befragten mit „Ja“.

Womit sich die Frage aufdrängt, woher die Diskrepanz dieser Zahlen rührt. Faktoren, so heißt es in der Studien, wie Arbeitsplatzsicherheit, Entlohnung, Sozialleistungen, flexible Arbeitszeit oder die Zahl der Urlaubstage sind für die Beschäftigten wichtig, doch haben diese auf deren emotionale Bindung kaum Einfluss. Fünfmal wichtiger als das Gehalt, so geben die Befragten an, wäre für sie die Möglichkeit, das zu tun, was sie richtig gut können. Offensichtlich können sie diese Wünsche bei ihren Vorgesetzten nicht durchsetzen, womit ich beim größten aller Probleme wäre.

Kommunikation ist alles

Die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen klaffen stark auseinander. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer (21 Prozent) sagt, dass die Führung, die er in seinem Unternehmen erlebt, ihn so motiviert, dass er hervorragende Arbeit leistet. 69 Prozent der befragten Arbeitnehmer hatten mindestens einmal einen schlechten Vorgesetzten. Das scheint den Führungskräften entgangen zu sein. In der zitierten Studie hielten sich immerhin 97 Prozent selbst für gute Führungskräfte. Diese Zahlen machen deutlich, dass vorhandene Probleme offensichtlich sehr viel leichter zu lösen sind, als gemeinhin angenommen. Schließlich handelt es sich hierbei um ein zwischenmenschliches Phänomen und weniger um ein technisches. „Dass wir miteinander reden, macht uns zu Menschen“, erkannte der Psychiater Prof. Dr. Karl Jasper. Was also liegt näher, als öfter mit seinen Mitarbeitern zu reden und damit mehr als nur einmal im Jahr das obligatorische Mitarbeitergespräch zu führen, in dem es vor Steifheit nur so strotzt?

Veränderungen im Unternehmen können weder von oben angeordnet, noch mit der Brechstange eingeführt werden. Die Beschäftigten müssen den Wandel mitgehen. Ich will hier nicht von einer Missionierung sprechen, doch weit entfernt davon sind wir nicht. Denn es müssen bestehende Denk- und Verhaltensmuster aufgebrochen werden, damit diese durch neue Muster besetzt werden können. Das gelingt nur, wenn jeder Mitarbeiter sich als ein wichtiger Teil des Ganzen sieht. Das liegt in der menschlichen Natur.

Angenommen, Sie entdecken in Ihren Unterlagen ein Foto aus Kindertagen, auf dem Ihre Familie abgelichtet ist. Sie können sich an diesen Tag noch sehr genau erinnern, obwohl das Ereignis etliche Jahrzehnte zurückliegt. Damals gab es weder Smartphone noch Digitalkameras. Typisch daher die Schwarz-Weiß-Bilder. Nach welcher Person werden Sie als erstes suchen? Wenn es nicht die Mutter oder der Vater ist, dann suchen Sie sich. Das ist kein egoistisches Verhalten, sondern, wie erwähnt, ein Naturgesetz, weil wir uns so wichtig nehmen. So wie Sie sich auf diesem Bild entdeckt haben, öffnet sich Ihr Blick für die restlichen Gegebenheiten auf dem Bild.

Wer glaubt, Veränderungen einfach verordnen zu können wie Ärzte ein Medikament ist auf dem gleichen Niveau wie Ärzte aus dem 17. Jahrhundert, die glaubten mit der Schnabelmaske die Pest abweisen zu können. Diese Masken der so genannten „Pestdoktoren“ waren mit Kräutern und Flüssigkeiten gefüllt, um sich vor dieser Seuche zu schützen. Wie wir heute wissen, hat es nichts genützt. Aberglaube ist selten ein verlässlicher Partner.

Veränderungen sind nur möglich, wenn sich Beschäftige als fester Bestandteil vom Ganzen sehen. Schauen wir uns an, wie das gelingen kann.

So gelingen Veränderungen

Im so genannten goldenen Mittelalter wurden größten Kirchen gebaut. Da es keine Baukräne, Hubbühnen und Förderbänder gab, mussten die Arbeiter der Baufirmen hart arbeiten. Diese schwere Arbeit wurde überwiegend durch Muskelkraft erledigt. Die Menschen hatten allen Grund, sich über ihre Arbeit zu beschweren, zumal sie auch nicht immer gut bezahlt wurden. Arbeitsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder eine staatliche Rente gab es nicht. Kein Wunder, dass viele Menschen nur am Jammern waren.

Als ein leitender Baumeister, der dieses Werk gezeichnet hatte, auf die Baustelle kam, sah er, wie zwei Männer schwere Teile schleppten. „Was macht ihr da?“, wollte er wissen. „Das sehen Sie doch, wir rackern uns ab“, erwiderten die Befragten. Der Baumeister lief zu einem Maurer, der gerade damit beschäftigt war, die Steine auszurichten. Auch hier fragte er: „Was machen Sie da?“ Der Maurer antwortete mürrisch: „Ich maure, wie man doch wohl sehen kann.“ So ging es weiter. Jeder, den der Baumeister fragte, beklagten sich über die schwere Arbeit.

Beim Verlassen der Baustelle traf der Baumeister auf einen älteren Herrn, der damit beschäftigt war, Steine zu klopfen. Er sorgt so dafür, dass diese Steine leichter verarbeitet werden konnten. Eine schweißtreibende wie stupide und nicht ganz ungefährliche Arbeit. Auch er wurde nach seinem Handeln befragt: „Was machen Sie da?“ Natürlich rechnete der Baumeister mit der gleichen Antwort, doch was er jetzt hörte, überraschte ihn sehr: „Ich baue eine Kirche“, sagte der Befragte.

Obwohl alle an einer Vision arbeiteten, nämlich eine große Kirche zu bauen, gingen sie alle verschieden damit um. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie eine Tätigkeit gesehen wird. Entweder als notwendiges Übel, wie die Maurer, die schwere Arbeit leisteten, oder als Herausforderung, einen Traum zu verwirklichen, wie eben der Mann, der nur die Steine schlug. Doch dieser Mann steht als einziger für das, worum es im Leben geht: seine Schöpferkraft einzusetzen. Nur dann ist es möglich, von innen heraus eine Motivation zu entwickeln. Die von ihm bearbeiteten Steine sind somit Zeugnis einer Sehnsucht, Teil eines Ganzen zu sein. In diesem Fall Teil einer Kirche. In Ihrem Fall als Mitarbeiter oder Führungskraft eines Unternehmens müssen Sie Teil der Firma werden. Ein Stein, der die Sehnsucht hat, für immer ein Teil dieser Einrichtung zu sein, sozusagen fest vermauert auf ewig.

Die Identifizierung mit der Tätigkeit ist das A und O

Sollten Sie eines Tages das Unternehmen verlassen, so muss der Stein der Sehnsucht, den Sie einst verarbeiteten, als Ihr Meisterstück sichtbar bleiben. Das gelingt, je mehr Sie sich mit Ihrer Tätigkeit identifizieren können. Dann wiederum gelingt es Ihnen, Ihre positiven Energien auf die Unentschlossen und Wechselunwilligen in Ihrem Unternehmen zu übertragen. Sie damit aus der Bequemlichkeitszone holen, um so die notwendigen wie wichtigen Veränderungen anzustoßen.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.