Bitcoin ist der Platzhirsch – der Rest fast nur Zaungäste

Der Bitcoin ist nicht „die eine“ Krypto-Währung, sondern eine aus mehr als fast 2000. Sie ist die Bekannteste von allen mit einer interessanten Historie. In den Anfangsjahren dümpelte der Kurs dieser kryptischen Währung vor sich hin. Das änderte sich erst ab 2015. Nach weniger als zwei Jahren notierte der Kurs bei über 17.000 Euro. Diese Entwicklung ist deshalb so bemerkenswert, weil sie ganz unspektakulär anfing. Am 22. Mai 2010 stellte der Entwickler und Programmierer Laszlo Hanyecz aus dem Sonnenstaat Florida ein außergewöhnliches Angebot in einem „Bitcoin-Talk-Forum“. Er wollte demjenigen 10.000 Bitcoins (BTC), eine ausschließlich online vorhandene Kryptowährung, „zahlen“ der ihm im Gegenzug für den nächsten Tag ein paar Pizzen liefern würde: „Ich werde 10.000 Bitcoins für ein paar Pizzen bezahlen … vielleicht zwei große, damit ich etwas für den nächsten Tag habe … Mein Ziel ist es, das Essen im Tausch mit Bitcoins zu bekommen, ohne dass ich sie selbst beim Lieferdienst bestellen oder vorbereiten muss … Ein Freiwilliger aus England meldete sich und bestätige diesen Deal. Haneycz erhielt zwei Pizzen und sein „Vertragspartner“ die zugesagten 10.000 Bitcoins. Diese hatten damals einen überschaubaren Wert von ca. 30 US-Dollar. Dafür aber musste der Käufer von England aus einen Lieferdienst in Florida beauftragen, um zwei Pizzen ausliefern zu können. Für diesen Auftrag zahlte der frischgebackene Bitcoin-Besitzer rund 22 US-Dollar. Somit blieben ihm aus diesem Deal gerade einmal acht US-Dollar.

Hier bestätigt sich allerdings einmal mehr, was ich mit Blick aufs Geld sage: Nehmen Sie selbst die kleinsten Zahl genauso ernst wie die größten.

Im vorliegenden Pizza-Deal entwickelte sich aus dem kleinen acht Euro-Gewinn ein gigantischer Betrag von über 18 Millionen US-Dollar.

Nach dem Höchststand von über 17.000 Euro im Jahr 2017 ging es mit dem Kurs des Bitcoins nur noch bergab. Ein Jahr später notierte er bei 3.200 Euro. Das ist ein Verlust von rund 80 Prozent. Niemand vermag sicher vorherzusagen, wie die Zukunft aussieht. Alles, was hier von „Experten“ gesagt wird, ist mit Vorsicht zu genießen. Denn im Gegensatz zu Aktien, Immobilien und Edelmetallen haben Krypto-Währungen, darunter Bitcoin, keinen inneren Wert. Ihr Wert basiert ausschließlich auf Vertrauen und Glauben. Beides fehlt den Investoren, nicht zuletzt auch wegen der hohen Kosten.

Kryptowährungen werden mithilfe von Computern erzeugt. Das sogenannte Schürfen verursacht extrem hohe Kosten. Zum einen wegen der Hardware, zum anderen wegen der hohen Stromkosten. Zusammengefasst liegt der jährliche Stromverbrauch der „Bitcoin-Miner“ schätzungsweise bei 840 Gigawattstunden. Zum Vergleich: Sämtliche Haushalte, mit insgesamt 350.000 Bewohnern auf Island verbrauchen rund 700 Gigawattstunden pro Jahr.

Angesichts dieser Situation kann derzeit kein Miner Bitcoins & Co. gewinnbringend schürfen. Deshalb geben inzwischen immer mehr Miner auf. Die aber, die weitermachen, hoffen auf steigende Kurse, um ihre Kosten eines Tages decken zu können. Sollte ihre Rechnung beizeiten nicht aufgehen, werden auch sie ihren Dienst quittieren, weil dem schlechten Geld nicht unendlich gutes Geld hinterhergeworfen werden kann.

„Gut gedacht ist nicht immer auch gut gemacht“. Die Idee hinter dem Bitcoin, eine frei von Banken und Staaten freie unabhängige Währung zu haben, die zudem nicht zentral kontrolliert werden kann, da es keine Zentralbank gibt, ist so lange gut, wie sie den Interessen der Menschen dient. Das scheint mit Blick auf die Notenbanken eine gute Absicht zu sein. Notenbanken sind keine caritative Einrichtung, sondern an Gewinn interessierte Intuitionen. Damit wollen die kryptischen Währungen brechen. Das könnte gelingen.

Dafür steht die dahinterstehende Architektur, die so genannte Blockchain. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, die im bildlichen Sinn wie ein Buch geführt wird, in das Transaktionen aufgeschrieben werden. Das Besondere daran ist, dass dieses Buch keinem einzigen Besitzer gehört, sondern Hunderten von Millionen Menschen. Das ist möglich, weil es sich hierbei um eine digitale verschlüsselte Textdatei handelt, in die alle Transaktionen abgespeichert werden.

Der Name „Blockchain“ rührt daher, weil die einzelnen Transaktionen in Blocks hinterlegt werden, die mittels kryptografischer Verfahren miteinander verkettet sind. Die Daten sind nicht zentral gespeichert. Sie verteilen sich auf viele verschiedene Computer. Entsteht eine neue Transaktion, gilt diese erst dann als vollzogen, wenn eine Mehrheit der Besitzer diese verifiziert hat. Das Besondere an diesem System ist, dass es ohne eine dritte Instanz auskommt. Somit können Geldtransfers direkt und sofort zwischen Sender und Empfänger ausgeführt werden, ohne dass dafür noch eine zentrale Koordinierungsstelle (wie z. B. die klassische Zentralbank eines Landes) benötigt wird.
Ohne die Blockchain-Technologie wurden im Internet nur Informationen ausgetauscht. Jetzt können Aktien, Verträge und sogar Identitäten transferiert werden. Das wird sich auswirken auf Banken, Versicherungen, Notare, Rechtsanwälte, Behörden und vieles andere mehr. Somit erleben wir mit der Kryptowährung, von der der Bitcoin die bekannteste ist, was uns im positiven Sinne bevorsteht. Und das ist gut so. Spart es am Ende viel Geld für den Einzelnen.

Deshalb stehe ich der Blockchain so was von aufgeschlossen gegenüber, nicht so dem Bitcoin. Diese ist ja nur eine unter vielen. Es bleibt abzuwarten, wie der Gesetzgeber damit umgehen wird. Ich glaube nicht daran, dass der deutsche Staat sich das „Monopol“ der Währung aus der Hand nehmen lassen wird. Doch nichts genaues was ich nicht.

Genau aus diesem Grund ist Bitcoin weder Fleisch noch Fisch. Er ist eine Chance, aber eben nur für Anleger, die nicht auf Renditen angewiesen sind. Die somit in der Lage sind, einen Verlust zu verkraften. Wobei das ein dümmlicher Satz ist. Wer kann sich schon mit Blick auf sein Geld einen Verlust leisten? Ich betone es dennoch, weil viele Anleger mehr die Chancen und weniger die Risiken im Blick haben. Wer sein Geld in kryptische Währung anlegt geht immer das Risiko eines Totalverlustes ein. Stand heute. Das wird sich eines Tages mit ändern. Doch das ist noch ein sehr langer Weg dahin.

Aus diesem Grund dürfen Sie Ihr Geld nie in kryptische Währungen investieren, auf das Sie angewiesen sind. Nur wenn Sie akzeptieren, dass dieses Geld komplett „verbrannt“ werden könnte, dürfen Sie sich überhaupt mit diesem Thema beschäftigen. Im anderen Fall sollte jede kryptische Währung gemieden werden.

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