Vorsicht vor Katzengold!

Im alten Griechenland lebte und werkelte Archimedes, zu seiner Zeit ein großer Mathematiker und Erfinder sowie ein guter Freund des Königs Hieron. Eines Tages trug es sich zu, dass der König Hilfe in einer sehr heiklen Angelegenheit suchte. Er wollte herausfinden, ob ein Goldschmied, der vom König reines Gold erhalten hatte, um daraus eine Krone zu fertigen, alles überlassene Gold auch wirklich verarbeitete. Archimedes sollte deshalb prüfen, ob die Krone aus reinem Gold hergestellt wurde. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass den Menschen damals sämtliche Computertechniken, Analysegeräte, Lasertechniken oder sonstige wissenschaftliche Geräte zu Prüfzwecken fehlten. Auch Archimedes dachte lange nach, ohne eine Lösung zu finden. Was also tun? Archimedes bediente sich einer ganz einfachen Technik. Er ließ von dem Problem ab und übergab es seinem Unterbewusstsein, dem Zentrum des Wissens. Auch wenn es augenscheinlich so aussehen mag, dass zunächst nichts geschieht, arbeitet das kreative Unterbewusstsein bereits an einer Lösung, die sich oft in völlig unerwarteten Momenten offenbart. So auch in diesem Fall. Archimedes stieg eines Tages in einen bis zum Rand gefüllten Waschzuber, um zu baden. In dem Augenblick aber, als er sich setzte, verdrängte sein Körper das Wasser, und der Zuber lief über. Nun wusste Archimedes, wie er die drängende Aufgabe des Königs lösen konnte. Er sagte sich nämlich, wenn eine bestimmte Masse Wasser verdrängt, lässt sich genau feststellen, wie viel Wasser bei welcher Menge Masse überläuft. Mit dieser Antwort aus dem Unterbewusstsein nun stellte Archimedes drei Waschzuber auf, die alle gleich hoch gefüllt waren. In den ersten Zuber legte Archimedes die Krone des Königs. Das Wasser floss, wie erwartet, über. In den zweiten Zuber legte er die vom König dem Goldschmied zur Verfügung gestellte Menge Goldes. Die gleiche Menge Silber wurde nun in den dritten Zuber gelegt. Jetzt brauchte Archimedes nur noch die Menge des überlaufenden Wassers zu messen. Seine Idee überführte schließlich den Goldschmied als Betrüger. Dieser hatte doch tatsächlich eine Silberlegierung benutzt und das damit ersparte Gold für sich behalten.

Wenn Sie schon einmal vor der Entscheidung standen, eine Goldkette oder einen Goldring zu kaufen, werden Sie sich gefragt haben, ob es sich bei den angebotenen Gegenständen tatsächlich um Gold handelte. Solange Sie in einem „Fachgeschäft“ kaufen, können Sie durchaus annehmen, echtes Gold zu erwerben. Wie aber verhält es sich, wenn Sie Gold von einem fliegenden Händler kaufen, also einem Händler, der seine Ware z. B. auf einem Wochenmarkt zum Kauf anbietet? Ganz einfach: Sie haben es hier mit einem potentiellen Betrüger zu tun oder aber mit einem Verkäufer, der die Strenge des Strafgesetzes nicht fürchtet. Wenn der Verkäufer behauptet, dass es sich bei seinen Angeboten um echten Goldschmuck handelt, lebt er gefährlich. Denn der Verkauf von Gold unter freiem Himmel ist in Deutschland gesetzlich verboten. Ich glaube, dass sich niemand über dieses Verbot hinwegsetzt. Das Risiko „entdeckt“ zu werden, ist viel zu groß. Nicht aber strafbar macht sich der, der einen goldenen Ring anbietet und unerwähnt lässt, dass es sich hier um echten Goldschmuck handelt. Glauben Sie, dass ein Händler mit dieser Verkaufsstrategie erfolgreich ist? Jeder Käufer will doch die Bestätigung, dass es sich bei der angebotenen Ware um echtes Gold handelt. Legt der Händler buchstabengetreu das Gesetz aus, wird er nicht erwähnen, dass Sie einen goldenen Ring in Ihrer Hand halten und weil er es nicht erwähnt, können Sie auch nicht wissen, ob es am Ende doch nur eine billige Imitation ist. So oder so, nie hat der Verkäufer etwas von Gold erzählt. Also tragen Sie ganz allein das Risiko.

Mit anderen Worten: Sie erwerben u. U. eine billige Imitation und glauben, im Besitz von echtem Schmuck zu sein. Also, was wollen Sie dann mit diesem Schmuck? Es kann sich doch dann nur um eine billige Imitation handeln, ansonsten würde doch jeder Händler den Wert eines Ringes herausstellen, wenn selbiger aus Gold bestünde. Sie sehen, so einfach lassen sich Probleme lösen, wenn man bestimmte Dinge weiß. Schwieriger wird es, wenn Sie nicht gerade über den Wochenmarkt schlendern, sondern andernorts der Versuchung ausgesetzt sind, Gold zu kaufen.

Immer dann, wenn die Preise für etwas, was jeder haben möchte und braucht, in den Himmel „schießen“, sind professionelle Trickbetrüger und Diebe nicht weit.

Ein Laie kann mit bloßem Auge nicht erkennen, ob es sich um echtes Gold handelt. Ein Profi nimmt hierzu einen Speckstein und beträufelt den Goldabrieb mit Säure. Frisst die Säure den Goldstrich weg, ist es eine Fälschung. Doch wer läuft schon mit Säure und Speckstein durch den Alltag, allseits bereit, Gold auf der Straße zu kaufen? Ich kenne niemanden. Insofern warne ich davor, Gold von Fremden zu kaufen, und sei die Verlockung noch so groß.

Und was ist mit Goldbarren? Auch hier ist immer wieder zu lesen, dass gefälschte Goldbarren im Umlauf sind, die angeblich aus Asien stammen. Ich habe hier so meine Zweifel. Wer Goldbarren fälscht, steht nämlich vor zwei großen Herausforderungen:

1. Das Gewicht muss stimmen
2. Die Größe des Barrens muss stimmen

Das eine aber schließt das andere aus. Wer einen Goldbarren fälscht, muss auf anderes Material zurückgreifen, welches später mit einer Goldschicht überzogen wird, um die Täuschung perfekt zu machen. Was auch immer es ist, also Blei, Silber oder Kupfer, sie sind viel zu leicht, einen handelsüblichen Goldbarren abzubilden. Man hätte das rund 2-Fache an Volumen, um einen echten Goldbarren durch eine Fälschung zu ersetzen. Anders ausgedrückt: Bliebe man bei der handelsüblichen Größe, wäre der gefälschte Goldbarren um die Hälfte zu leicht! Fazit: Man kann einen Goldbarren nur mit Metallen fälschen, die schwerer oder gleich schwer sind wie Gold! Also Platin! Das aber macht keinen Sinn. Platin ist teurer als Gold! Somit sind spätestens hier die Möglichkeiten erschöpft. Die anderen Metalle, die schwerer als Gold sind, sind meistens radioaktiv. Insofern würde wohl kaum ein Fälscher auf die Idee kommen, Uran zu verarbeiten. Gold wiegt keine Gesundheit auf!

Es wird vielfach, insbesondere im Internet, darüber berichtet, dass ganz schlaue Fälscher das Metall Wolfram verwenden. Weil die Dichte von Gold und Wolfram nahezu identisch ist (19,27 kg/dm3 statt 19,30), würde die gleiche Volumeneinheit Gold in etwa so viel wiegen wie die gleiche Volumeneinheit Wolfram. Somit lässt sich durch das archimedische Prinzip die Fälschung nicht nachweisen. Doch diese Idee der Fälschung hat aus meiner Sicht einen kleinen Schönheitsfehler. Wolfram schmilzt erst bei 3.400 Grad Celsius, weshalb es insbesondere für die Glühfadenherstellung (noch!) verwendet wird. Darüber hinaus ist es extrem hart. Fälscher müssten also über ein außergewöhnliches Labor verfügen, wollten sie dieses Metall professionell verarbeiten. In einem Hinterhof ließe sich das Ganze überhaupt nicht bewerkstelligen. Darüber hinaus sind die Kosten zur Herstellung eines gefälschten Goldbarrens bei diesem Metall nicht zu unterschätzen. Bekanntlich wollen Betrüger viel Geld mit wenig Aufwand verdienen. Dazu eignet sich Wolfram nun gar nicht!

Selbst bei Goldmünzen käme Wolfram nicht zum Einsatz. So ist z. B. die 1 oz Philharmoniker Goldmünze nur 2 mm dick (andere im Durchschnitt 3 mm). Schon allein durch die Prägetechnik müsste die Goldschicht auf beiden Seiten der Münze so groß sein, dass an der tiefsten Stelle der Prägung nicht der Wolfram-Kern sichtbar würde. Wie soll das bitte gehen, ohne dass es auffällt?

Ich will mit meinen Ausführungen nicht sagen, dass Fälschungen per se unmöglich sind. Sie sind schwierig, doch es gibt immer wieder Möglichkeiten, Grenzen zu sprengen. Ich denke dabei nicht an einzelne Fälscher, die das ganz große Geschäft machen wollen, sondern an Staaten. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den Tresoren einiger Staaten mehr gefälschte Goldbarren deponiert sind als echte. Wer, bitte, will denn das genau kontrollieren? Hauptsache, man kann den Bürgern des Landes sagen, die eigene Währung sei sicher, zumal etliche Tausend Tonnen Gold in staatlichen Tresoren lagern.

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