Niemand hebt die Erde aus den Angeln – auch Sie nicht

„Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben“, versprach vor mehr als 2200 Jahren das Universalgenie Archimedes. Er spielte damit auf das bereits in der Antike bekannte Hebelgesetz an. Heute will niemand die Erde/Welt aus den Angeln heben, dafür aber die Gesetze des Geldes. Letzteres wurde erfunden, um den Tauschhandel zu vereinfachen. Inzwischen ist es selbst zur Handelsware mit aberwitzigen „Vertriebskanälen“ geworden. Je länger die klassischen Kapitalanlagen den Bach heruntergehen, desto stärker ist die Versuchung, noch schneller reich zu werden.

„Koste es, was es wolle“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Richtig ist, dass die Lebensversicherung ein Produkt alter Tage ist und unserer Meinung nach ausgedient hat. Das impliziert nun nicht, dass alle neuen Produkte, die dem Zeitgeist entsprechen, sicherer sind. Im Zweifel ist eine „alte“ Lebensversicherung allemal besser als sich von Zukunftsversprechen der Anbieter täuschen zu lassen. Selbst „alte Weisheiten“ gelten für neue Produktideen nicht mehr. So soll der Schweizer Publizist Markus M. Ronner einst gesagt haben: „An der Börse kann man 1000 Prozent gewinnen, aber nur 100 Prozent verlieren.“ Das stimmt so nicht mehr. Wenn Sie „normale“ Aktien erwerben oder in Aktienfonds investieren, dann trifft seine Feststellung zu. Wenn Sie hingegen z. B. in Optionen investieren, stimmt diese Aussage nicht mehr. Eine andere „tickende Zeitbombe“ sind so genannte CFD (= Contract for Difference). Mit diesen Verträgen wetten Anleger (eher Zocker) auf bestimmte Kursdifferenzen von Aktien, Devisen oder Rohstoffe. Das Interessante an diesen Produkten ist die Hebelung. Dabei stockt der Broker das Investitionskapital des Anlegers zusätzlich auf. Er gibt seinem Kunden sozusagen einen Kredit. Durch diese Hebelung steigen die Gewinnchancen, allerdings auch das Verlustrisiko.

CFD setzen bisherige „Regeln an der Börse“ außer Kraft, wie folgendes Beispiel verdeutlicht. Im Januar 2015 gab die Schweizer Notenbank völlig unerwartet den Wechselkurs des Schweizer Franken (CHF) zum Euro frei. Die festgelegte Untergrenze von 1,20 Franken galt nicht mehr. Ein Kunde investierte 2.800 Euro in ein CFD (Devisen Euro/CHF) mit einer Hebelung von 1:400. Um sich vor einem Verlust zu schützen, setzte er ein Stopp. Damit vereinbarte er, dass sein Broker sein CFD sofort verkaufen sollte, wenn der Kurs entgegen allen Erwartungen unter die Marke von 1,1988 Franken fallen sollte. Genau das ist passiert und an normalen Börsentagen wäre der Verkauf zu den vereinbarten Bedingungen kein Problem gewesen. Doch in diesen ersten Wochen des Jahres ging es an den Börsen alles andere als normal zu. Die Schweizer Nationalbank hatte den Franken über Jahre künstlich niedrig gehalten. Nach der Freigabe der Untergrenze schoss der Kurs durch die Decke. Selbst die Profis unter den Zockern bekamen das Zittern, weshalb sie auf Teufel komm raus, verkauften. Mit diesem Ansturm war die Börse überfordert. Deshalb konnte der Verkaufsauftrag des 2.800 Euro Anlegers erst rund 50 Minuten später durchgeführt werden. Bei CFDs ist das eine gefühlte Ewigkeit. Denn in dieser Zeit sank der Kurs auf 0,92 Franken. Damit belief sich der Verlust des Anlegers auf rund 280.000 Euro. Aus einem Guthaben von 2.800 Euro wurden mithilfe dieser wahnsinnigen Wetten 280.000 Euro Verlust. Zahlbar sofort!

Somit ist bewiesen, dass Sie durchaus mehr als 100 Prozent verlieren können, wenn Sie vom Zocker-Fieber befallen sind.

Angesichts dieser hier beschriebenen Zahlen fällt es leicht, die Schuld dem gierigen Anleger in die Schuhe zu schieben. Um im selben Atemzug zu erklären, dass einem eine solche Dummheit niemals passieren würde. Da gebe ich vielen Anlegern recht. Das sind aber meistens die, die ohnehin nie ein Risiko eingehen und damit, wie erwähnt, das größte Risiko eingehen.

Niemand sollte sich hinstellen und sich frei von jeder Versuchung sprechen. Es gibt immer wieder Momente, da juckt es einem förmlich in den Fingern. Da werden alle Bedenken über Bord geworfen getreu dem Motto: „Tausend Fliegen können sich nicht irren, Mist schmeckt.“ Selbst die lautesten Warnungen verhallen ungehört, wenn tagein tagaus von einem Hype berichtet wird. Das passiert immer wieder, weshalb auch immer wieder viele Anleger viel Geld verlieren, weil sie, wie erwähnt, ihren Verstand verlieren ob der in Aussicht gestellten Gewinne.

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