Sitzen ist das neue Rauchen

Erstmals leben in der Welt mehr Fettleibige als Untergewichtige. Seit 1975 ist die Weltbevölkerung zwar gesünder, aber auch dicker geworden. Mit Blick auf die Evolution ließe sich einfach sagen, dass wir Menschen Opfer unserer Entwicklung geworden sind. Früher mussten die Menschen im Schweiße ihres Angesichts ihren Lebensunterhalt verdienen. Voller Körpereinsatz war zu dieser Zeit die Regel und nicht die Ausnahme.

Nur wer körperlich fit war, konnte seine Familie ernähren. Da es an technischem Gerät fehlte, brauchte es viele fleißige Hände für einfachste Tätigkeiten. Wer nicht mit anpackte, musste im Winter hungern und frieren. Inzwischen hat der Computer z. B. die Landwirtschaft so stark verändert, dass ein einfacher Joystick reicht, um die größten Maschinen zu steuern. Somit schafft ein Einzelner in seiner Funktion als Maschinenführer an einem Tag mehr als einst der Landwirt im 19. Jahrhundert in einem Monat.

Nicht viel anders sieht es heute in den modernen Büros aus. Statt körperlicher Schwerstarbeit bewegen sich bei den Beschäftigten in acht Stunden fast nur noch Augen und Hände, um die geforderten Aufgaben am Computer zu lösen, wohingegen sich der Körper so gut wie gar nicht mehr bewegt, sondern, wenn überhaupt, nur noch der Bürodrehstuhl. Das ist auch gar nicht mehr notwendig, weil das Geld in Zeiten der Digitalisierung verdient wird mit einem einfachen Mausklick (oder mit einem Wisch über ein Tablet-PC bzw. Smartphone) verdient wird. Dafür braucht es keinen harten Körpereinsatz.

Bewegung wirkt sich positiv aus auf das körperliche, emotionale und seelische Wohlbefinden. Wer sich wenig bewegt, dazu noch falsch sitzt und in einer schlechten Atmosphäre seine Arbeit verrichtet läuft mittelfristig Gefahr, körperlich wie seelischen Schaden zu nehmen und das geht ins Geld. Die Krankenkassen streichen immer mehr Leistungen, die der Patient dann aus eigener Tasche zahlen muss. Dabei warnte bereits der französische Philosoph Voltaire vor mehr als 200 Jahren: „In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen.“

Wer sich körperlich nicht bewegt, bewegt gar nichts!

Ohne ausreichende Bewegung und natürliches Gesundheitsbewusstsein bleibt dem Körper gar keine andere Wahl, als sich in die Breite zu entwickeln. Hier kann er sich nach allen Seiten ausleben, während das Wachsen in die Höhe eines Tages zum Stillstand kommt und das Skelett den Weg in die andere Richtung nimmt. Mit zunehmendem Alter schrumpft der Mensch. Die Zahlen hierzu sind eindeutig. Die Menschheit hat innerhalb von 40 Jahren pro Jahrzehnt durchschnittlich 1,5 Kilo zugelegt. Im Jahr 2014 lebten rund 641 Millionen adipöse Menschen – Das sind mehr als sechs Mal so viele wie Mitte der 1970er- Jahre. Tendenz steigend, wie ein Forscherteam um Dr. Majid Ezzati, Harvard-Professor mit Forschungsauftrag an der School of Public Health am Imperial College in London, bestätigt. Mit Hunderten von internationalen Wissenschaftlern wertete er rund 1.700 Bevölkerungsstudien aus 186 Ländern aus den Jahren 1975 bis 2014 aus. Daten von 19,2 Millionen Menschen wurden dabei berücksichtigt. Sein Fazit ist keine Überraschung, gleichwohl eine Mahnung: „Ohne kluge Ernährungspolitik und verbesserte Gesundheitsvorsorge wird es eine heftige Fettleibigkeitsepidemie geben.“ Seinen Angaben zufolge dürfte in zehn Jahren fast jeder fünfte Erdenbewohner ein krankhaftes Übergewicht auf die Waage bringen.

Dabei haben wir es viel weniger mit einem ästhetischen als gesundheitlichen Problem zu tun. Da mag sich mancher durchaus wohlfühlen in seiner „übergewichtigen“ Haut. Mittel- bis langfristig wird sich ein anderes Gefühl einstellen. Spätestens dann, wenn die typischen Krankheiten eintreten, die ihre Ursache auch im Übergewicht haben – erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder bestimmte Arten von Krebs. Dabei ließe sich möglicherweise fast alles davon vermeiden, würde sich der Mensch mindestens zweieinhalb Stunden in der Woche körperlich aktiv anstrengen, wenig Fleisch, dafür viel Gemüse, Obst und Fisch essen sowie auf Rauchen und Alkohol verzichten. Doch zwischen Wollen und Können lauert der innere Schweinehund – und damit die Realität. Das mag eine der Gründe sein, warum sich nur jeder Neunte so gesundheitsbewusst verhält. Die Folgen sich später für jeden sichtbar:

Alles im Leben hat seinen Preis! Wer in seinem Leben Geldverdienen zum Inhalt gemacht hat, muss sich sehr viel mehr anstrengen. Das aber ist nicht der Preis für den Erfolg. Weil der Fokus auf „noch mehr Geld verdienen“ ausgerichtet ist, entwickelt sich häufig mit derselben Dynamik und kaum wahrnehmbar der Verlust der Gesundheit. Schließlich erkranken nach einer Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe jährlich allein in Deutschland 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Diese Krankheit kann jeden treffen. Egal ob reich oder arm. Wobei letztere sowieso stärker gefährdet sind. Arme Menschen sind häufiger krank und sterben früher als Wohlhabende fand die Nationale Armutskonferenz heraus . Menschen mit geringem Einkommen und niedrigen sozialen Status tragen ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Überdies haben sie häufiger Magengeschwüre, Lungenentzündungen und Diabetes als besser gestellte Altersgenossen. Darüber hinaus steht es um ihre Zahngesundheit schlechter. Zudem treten Depressionen und Angstzuständen überdurchschnittlich häufig auf.

Die Menge macht das Gift. Passen Sie auf sich auf. Ihre Gesundheit ist noch immer Ihr größter Reichtum. Alles Geld der Welt kann Ihnen Ihre Gesundheit nicht zurückgeben.

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