Volks(ver)treter und Coronavirus

Niemand kann einen Menschen daran hindern, klüger zu werden. Doch wenn ein Gesundheitsminister in Sachen Coronavirus über Tage zur Ruhe mahnt, während reihum Menschen erkranken, dann muss man sich fragen, ob er seinen Laden noch im Griff hat. Insbesondere, wenn dann plötzlich vom Beginn einer Corona-Epidemie die Rede ist. Natürlich ist es gut, wenn zur Ruhe ermahnt wird, um Panik zu vermeiden. Doch wie so oft drängt sich mir hier der Eindruck auf, als halte sich die Politik für fähiger, mit schlechten Nachrichten umzugehen, als die Bürger. Man traut uns eben nicht zu, die Wahrheit zu verkraften. Deshalb wird so lange verdrängt, getäuscht und verschwiegen bis sich die Wahrheit Bahn bricht. Damit passiert genau das, was man vermeiden wollte: Hysterie und Panik.

Auch wenn es im Augenblick darum geht, den Virus zu beseitigen, so darf darüber nicht vergessen werden, dass das Krisenmanagement an dieser Stelle genauso versagt wie eh und je. Obwohl über Wochen klar war, dass sich das Coronavirus um die Welt verbreiten wird, mahnte man uns zur Gelassenheit. Das erleben wir seit Jahren in der Wirtschaft. Die Politik beschäftigt sich mit Wohlfühlthemen, spricht von sprudelnden Steuereinnahmen und niedrigen Arbeitslosenzahlen und der bräsig schauende Deutsche unter seine Wohlfühl-Käseglocke glaubt es auch noch. Dabei steht Deutschland vor einem beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang.

Alles, was das 21. Jahrhundert ausmachen wird, kommt inzwischen aus Amerika oder Asien. Amazon, Google, Facebook, Apple, usw. waren die ersten, die sich dieser Entwicklung stellten. Zu einer Zeit, als Deutschland noch an Neckermann, Quelle, Stahlindustrie, Autoindustrie, Kohle, Diesel, geglaubt hat. Hierzulande sagte man sich: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. So blickt die deutsche Autoindustrie auf fast 100 Jahre Tradition zurück. Tesla dagegen auf weniger als 17 Jahre. Auch wenn es ein Momentaufnahme ist, so ist das Unternehmen derzeit mehr wert als VW und BMW zusammen. Das ist kein Hype, sondern ein Ergebnis. Denn während die Deutschen meinen, man müsse den Verbrennungsmotor nur gegen einen E-Motor austauschen, setzt Tesla auf die Währung des 21. Jahrhunderts: Daten. Auch hier sind uns die Amis voraus. Sie haben nicht nur die digitalen Plattformen in ihrem Land, sondern auch die Clouds. Wir in Europa haben gar nichts und tun so, als wären wir noch der Big-Player. Noch!

Leider werden wir eines schlechten Tages eine ähnliche Situation wie beim Coronavirus sehen: Aus der Wohlfühleuphorie wird Panik ob der Arbeitsplatzverluste. Aber die Regierung ist ja lieber mit sich selbst beschäftigt, statt Deutschland vor dem Niedergang zu retten. „Gestern“ suchte die SPD über Monate einen Vorsitzenden, jetzt ist die CDU dran. Dieses Dekadenz wird uns noch teuer zu stehen kommen. Doch dann ist es leider zu spät.

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