An Weihnachten muss das Klima hintenanstehen. So viel Zeit muss sein.

Ich bin ein Kind der 1960er-Jahre. Von uns gab es immer von allem zu viel. Egal wo wir aufschlugen. Im Kindergarten gab es keinen Platz für uns. Die Schulklassen waren überfüllt. Später gab es zu wenig Lehrstellen. Die Bundeswehr konnte ebenfalls den Andrang zeitnah nicht abarbeiten. Der Arbeitsmarkt wollte uns auch nicht, weil es zu wenig Arbeit für viel zu viele Leute gab.

Inzwischen haben sich die Geburten fast halbiert, die Situation sich also entspannt.

Zu meiner Kindheit gab es noch keine Greta, die uns in Angst und Schrecken versetzte, weil ihrer Meinung nach morgen die Welt schon untergehen wird. Dennoch hatten wir damals große Angst, weil die Nato bundesweit Raketen mit Atomsprengköpfen stationierte. Von unserer Haustür bis zu einer solchen Abschussbasis waren es keine 20 Kilometer. Zu dieser Zeit lagen Nato und Warschauer Pakt quer und man rechnete mit dem Schlimmsten. Das war eine Scheißzeit für mich.

Ähnlich muss sich die heutige Jugend fühlen. Auch ihnen wird mit Blick auf die Nachrichtenlage in Sachen Klima angst und bange. Insofern verstehe ich ihre Reaktion, auf die Straße zu gehen. Dieses Engagement trägt inzwischen Früchte. Immer mehr Menschen folgen, um die Politik zum Handeln zu zwingen. Dennoch teile ich nicht die Hysterie und schon gar nicht, dass Politik und Schulbehörden das Unterrichtschwänzen tolerieren. Recht ist nicht verhandelbar.

Was mich aber auf die sprichwörtliche Palme bringt, ist, dass die Demonstranten von uns „weißen Männern“ erwarten, dass wir uns ändern. Und sie selbst? Was ist mit ihrem Verhalten? Kaum eine Demo ohne Smartphone. Offensichtlich glauben die Demonstranten, dass ihre Videos und WhatsApp-Nachrichten vom heiligen Geist transportiert werden und deshalb ohne Strom auskommen. Dabei stellte die Wissenschaft jüngst fest, dass dieses Verhalten mehr CO2 verbraucht als der Flugverkehr. Auch applaudieren die Schüler, wenn die bösen weisen Männer ihre SUVs abstellen und gegen ein E-Auto tauschen. Es stünde ihnen gut zu Gesicht, sich einmal darüber informieren, woher die Rohstoffe für diese Technik kommt. Dann würden sie sehen, wie Menschen in Chile und Bolivien vor die Hunde gehen, weil die Europäer E-Autos fahren.

Doch welcher Schüler will sich denn mit der Wahrheit auseinandersetzen? Es kann nicht sein, was ihrer Meinung nach nicht sein darf.

Es ist doch einfach geiler, die Schule zu schwätzen und lautstark gegen die Erwachsenen zu demonstrieren, die ihrer Meinung auf dieser Welt nichts geschissen bekommen haben. Schlimmer noch. Diese Welt sogar zerstören. So ein Schmarrn, wie du selbst lesen kannst:

• Um das Jahr 1800 starben 44 Prozent der Menschen vor dem 5. Lebensjahr. 2016 waren es nur noch vier Prozent (natürlich sind diese vier noch zu viel, weil jeder Tod tragisch ist).
• 1950 arbeiteten 28 Prozent der Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren unter schlechten Bedingungen in Vollzeit. 2012 waren es weniger als zehn Prozent.
• Um das Jahr 1800 lag der Anteil der Erwachsenen (über 15 Jahre) mit Grundkenntnissen im Lesen und Schreiben bei zehn Prozent. 2016 waren es 86 Prozent.
• 1970 wurden 1.663.000 Tonnen ozonzerstörende Substanzen verwendet. 2016 lag der Anteil bei 22.000 Tonnen.
• 1980 nutzte kein Mensch das Internet, 2017 waren es bereits rund 50 Prozent der Menschheit.
• Im Jahr 1665 wurden 119 wissenschaftliche Fachartikel pro Jahr veröffentlicht. 2015 waren es 2.550.000.
• Die Zahl der Katastrophentoten (Tausend Tote je Jahr im Zehn-Jahresdurchschnitt) lag in den 1930er-Jahren bei 971. In den Jahren 2010 bis 2016 waren es 72.
• In der Zeit von 1929-1933 starben 2.100 Passagiere bei Flugzeugabstürzen (auf je 10 Milliarden Passagier-Flugmeilen im Fünfjahresdurchschnitt). In den Jahren von 2012 bis 2016 war es einer.
• 58 Prozent der Menschen hatten 1980 Zugang zum Wasser aus geschützten Quellen. 2015 waren es bereits 88 Prozent.
• 1816 lag der Anteil der Menschen, die in einer Demokratie lebten, bei einem Prozent. 2015 waren es 56 Prozent.
• Der Feinstaub (Kilogramm S02-Partikel, emittiert je Person) betrug im Jahr 1970 38 Kilogramm. 2010 waren es 14 Kilogramm.
• 1975 konnten 58 % der Kinder unter 20 Jahren, die eine Krebsdiagnose erhielten, mit der Behandlung fünf Jahre oder länger überleben. 2010 waren es bereits 80 %.
• Der Getreideertrag in 1000 kg je Hektar lag 1961 bei 1,4. 2014 waren es vier.
• Der Anteil unterernährter Menschen nahm von 28 Prozent (1970) auf 11 Prozent (2015) ab.
• 1970 betrug der Anteil eingeschulter Mädchen im Grundschulalter 65 Prozent. 2015 waren es 90 Prozent.
• 1893 gab es gerade einmal ein Land (von 194), in dem es ein gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen gab. 2017 waren es 193 Länder.
• Die Zahl der Atomwaffen (Nuklearsprengköpfe) sank von 64 (1986) auf 15 (2017).
• Die Zahl Kriegstoter (je 100.000 Menschen) ging von 201 (1942) auf 1 (2016) zurück.
• Die Zahl der Naturschutzgebiete erhöhte sich von 0,03 Prozent im Jahr 1900 auf inzwischen 14,7 Prozent (2016).

Diese Kids vergessen eins: Sie werden eines Tages auch erwachsen sein. Dann werden sie sich die Frage stellen müssen, wie die Welt mit dann mehr als zehn Milliarden Menschen überleben kann. kann. Zum Vergleich: 1975 waren es drei Milliarden.

Und weil Weihnachten vor der Tür steht, abschließend noch eine Studie hierzu, deren Ergebnis so was von Tief blicken lässt. Unter dem Oberbegriff „Nachhaltigkeit“ haben Forscher der FOM Hochschule für Oekonomie & Management die Bedeutung von umweltfreundlichen Materialien (z.B. Holz statt Plastik), die Verwendung gesundheitsschonender Lacke und Farben, Ökosiegel, biologische Herstellung und die Recyclingfähigkeit von Produkten zusammengefasst. Auf die Frage, ob diese Kriterien Einfluss auf den Geschenkekauf ausüben würden, gaben 77 Prozent der 12- bis 22-Jährigen an, das dies für sie keine Rolle spiele.

Das wundert mich nicht. Denn auch hier wiederholt sich die Geschichte: Wasser predigen – Wein saufen. Wenn an Weihnachten ein neues Apple-Smartphone und ein Mac-Book unter dem Weihnachtsbaum liegt, dann muss man in dieser wunderbaren Stunde einmal die Rettung des Klimas verschieben. Einfach mal relaxen. Nach den Weihnachtsferien kann es dann wieder weitergehen mit der Moral.

Boah ey. Merry Chrismas.

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