Bei Ebbe sieht man die Nacktschwimmer

Auf Flut folgt Ebbe, dann erst sieht man, wer nackt schwimmt. Seien wir doch ehrlich. Wir haben uns in den letzten Jahren nur noch um Wohlfühlthemen gekümmert und dabei die Wirtschaft aus den Augen verloren. Wir haben auf dicke Hose gemacht, obwohl wir nackt waren. Wir lebten in einer Welt, in der alles möglich schien. Warum sparen, wenn Kredite uns nachgeworfen wurden. Jetzt kaufen – später zahlen. Läuft! Geld verdienten wir ja genug. Wir hatten so etwas wie Vollbeschäftigung in Deutschland. Kein Gedanke, dass Wirtschaft keine Einbahnstraße ist. Wir lebten und liebten die sieben fetten Jahre und dabei die sieben magereren vor uns liegenden Jahre nicht sehen wollen.

Gedanken an Arbeitslosigkeit. Gab es nicht. Gedanken, einem möglichen Liquiditätsengpass vorzubeugen. Wozu? Gedanken an Absicherung des Vermögens. Nicht nötig. Gedanken daran, weniger Schulden zum machen. Beiseite geschoben. Wir lebten in einer Wohlfühlblase, die keinen Platz hatte für Mahner, die das, was jetzt passiert, haben kommen sehen. Nicht das Virus, dafür aber die Folgen für die Wirtschaft.

Quasi über Nacht ist sie zurück, die „German Angst“. Die Erfahrungen damit werden die Menschen nachhaltiger und intensiver prägen denn je. Fühlten sich die Deutschen vor Monaten noch so stark wie ein Stier, machen sie sich jetzt zum Wurm, stets in der Angst, noch mehr getreten zu werden. Selbst gewählte Leiden. Man hätte es für sich persönlich anders regeln können.

Nun heißt es, sich den Staub aus den Klamotten zu klopfen, den Sand aus den Zähnen zu spülen und in die Hände zu spucken. Keine Krise ist so schlimm, als das man daran zerbrechen müsste. Wo Krisen sind, sind auch Chancen. Die gilt es jetzt zu nutzen.

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