Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin

„Ich bin froh, dass ich kein Dicker bin, denn dick sein ist ’ne Quälerei. Ich bin froh, dass ich so’n dürrer Hering bin, denn dünn bedeutet frei zu sein“. Ja nee ist klar, lieber Marius Müller-Westernhagen. Ich bin froh, dass ich in jungen Jahren als dünner Mensch die Dicken nie beleidigt habe. Nur die Wenigsten können sich im Alter gegen den Stoffwechsel wehren. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass erstmals in der Welt mehr Fettleibige als Untergewichtige leben. Kann ja auch gar nicht anders. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre steuern auf die Rente zu, während immer weniger Geburten an der Tagesordnung sind.

Seit 1975 ist die Weltbevölkerung zwar gesünder, aber auch dicker geworden. Die Menschheit hat innerhalb von 40 Jahren pro Jahrzehnt durchschnittlich 1,5 Kilo zugelegt. Im Jahr 2014 lebten rund 641 Millionen adipöse Menschen. Das sind mehr als sechs Mal so viele wie Mitte der 1970er- Jahre. Tendenz steigend.

Mit Blick auf die Evolution ließe sich einfach sagen, dass wir Menschen Opfer unserer Entwicklung geworden sind. Früher mussten die Menschen im Schweiße ihres Angesichts ihren Lebensunterhalt verdienen. Voller Körpereinsatz war zu dieser Zeit die Regel und nicht die Ausnahme. Nur wer körperlich fit war, konnte seine Familie ernähren. Da es an technischem Gerät fehlte, brauchte es viele fleißige Hände für einfachste Tätigkeiten. Wer nicht mitanpackte, musste im Winter hungern und frieren. Inzwischen hat der Computer die Landwirtschaft so stark verändert, dass ein einfacher Joystick reicht, um die größten Maschinen zu steuern. Somit schafft ein Einzelner in seiner Funktion als Maschinenführer an einem Tag mehr als einst der Landwirt aus dem 19. Jahrhundert in einem ganzen Monat. Aus der Fahrerkabine steuert der „moderne Landwirt“ alle erforderlichen Aktivitäten, um die Ackerflächen schnell und kostengünstig zu bearbeiten.

Nicht viel anders sieht es heute in den modernen Büros aus. Statt körperlicher Schwerstarbeit bewegen sich bei den Beschäftigten in acht Stunden fast nur noch Augen und Hände, um die einen guten Job zu machen. Dabei wird der Körper als Ganzes so gut wie gar nicht mehr bewegt. Allenfalls der Büro-Drehstuhl sorgt für Bewegung. Nach einer Studie arbeiten in Deutschland 70 Prozent der Erwerbstätigen im Sitzen. Heute wird das Geld mit einem einfachen Mausklick (oder mit einem Wisch über ein Tablet-PC bzw. Smartphone) verdient. Deshalb braucht es keinen harten Körpereinsatz mehr.

Doch. Diesen braucht es, denn wer sich körperlich nicht bewegt, bewegt gar nichts!

Einer der Hauptgründe für das körperliche, emotionale und seelische Wohlbefinden ist körperliche Bewegung. Wer sich wenig bewegt, dazu noch falsch sitzt und in einer schlechten Atmosphäre seine Arbeit verrichtet läuft mittelfristig Gefahr, körperlich wie seelischen Schaden zu nehmen. Ohne ausreichende Bewegung und natürliches Gesundheitsbewusstsein bleibt dem Körper gar keine andere Wahl, als sich in die Breite zu entwickeln.

Dabei haben wir es viel weniger mit einem ästhetischen als gesundheitlichen Problem zu tun. Da mag sich mancher durchaus wohlfühlen in seiner „übergewichtigen“ Haut. Mittel- bis langfristig wird sich ein anderes Gefühl einstellen. Spätestens dann, wenn die typischen Krankheiten eintreten, die ihre Ursache auch im Übergewicht haben – erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder bestimmte Arten von Krebs. Dabei ließe sich möglicherweise fast alles davon vermeiden, würde sich der Mensch mindestens zweieinhalb Stunden in der Woche körperlich aktiv anstrengen, wenig Fleisch, dafür viel Gemüse, Obst und Fisch essen sowie auf Rauchen und Alkohol verzichten. Doch zwischen Wollen und Können lauert der innere Schweinehund – und damit die Realität. Das mag eine der Gründe sein, warum sich nur jeder Neunte so gesundheitsbewusst verhält.

„Alles im Leben hat seinen Preis.“ Wer in seinem Leben Geldverdienen zum Inhalt gemacht hat, muss sich sehr viel mehr anstrengen als „normale Angestellte und Arbeiter“. Das aber ist nicht der Preis für den Erfolg. Weil der Fokus auf „noch mehr Geld verdienen“ ausgerichtet ist, entwickelt sich häufig mit derselben Dynamik und kaum wahrnehmbar der Verlust der Gesundheit. Was hilft ist, wenn sich das Konto füllt, während die Seele leidet. Dr. Martin Luther schrieb in der von ihm übersetzten Bibel: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?“ Gar nichts und doch erkranken nach einer Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe jährlich allein in Deutschland 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Geld ist wichtig, doch nichts ist wichtiger als Ihre Gesundheit.

Nichts! Absolut gar nichts! Denken Sie stets daran: Der Gesunde hat tausende von Wünsche, der Kranke nur einen. Die Investition in Ihre Gesundheit und Vitalität bringt mit Abstand die besten Renditen. Bei all Ihren Sorgen ums Geld und Rente dürfen Sie nie vergessen, dass nichts davon so wichtig ist, wie Ihre Gesundheit. Krankheit kostet Sie eine Menge Geld. Geld, dass Ihnen später fehlen wird. Also kümmern Sie sich nur um Renditen, sondern mehr um sich selbst.

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